Der Harvard-Historiker Sven Beckert sieht den Kapitalismus in einer Phase tiefgreifender Veränderungen. Laut Beckert befindet sich das neoliberale Modell, das die letzten fünf Jahrzehnte prägte, aufgrund von ökologischen Herausforderungen, sozialer Ungleichheit und politischem Widerstand in einer Krise. Er betont, dass die kapitalistische Logik der Kapitalvermehrung kein natürliches Gesetz darstellt, sondern ein historisch entwickeltes Konstrukt ist. Angesichts neuer technologischer Entwicklungen wie der künstlichen Intelligenz stellt sich für ihn vor allem die Frage der Verteilung von Produktivitätsgewinnen. Beckert warnt davor, dass extreme Ungleichheit sowohl die wirtschaftliche Stabilität als auch die politische Legitimität des Systems gefährdet. Dennoch sieht er keinen zwingenden Untergang des Kapitalismus, sondern unterstreicht die Gestaltungsmöglichkeiten der Gesellschaft. Da das System menschengemacht ist, bleibt politischer Einfluss möglich, um die zukünftige Ausrichtung der Wirtschaftsordnung aktiv zu beeinflussen.
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